Barbara Honolds Theologie-Blog

Veni, Sancte Spiritus!

 
"Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt."
1 Kor 12,4.7

Die Pfingstsequenz Veni Sancte Spiritus ist eine lateinische Dichtung,  an die erste Herabkunft des Heiligen Geistes erinnert und an die Gaben des Heiligen Geistes. Der Text wird Stephen Langton (um 1150-1228) zugeschrieben. 

Ich habe nachgeschaut, welche Anregungen zu diesem wunderbaren, viel bedachten Text sich im Internet finden ließen. Dabei stief ich unter anderem auf einen Beitrag in der wikipedia. Hier findet sich außer der Übetragung von Heinrich Bone auch eine wörtliche Übersetzung von Martin Bachmaier, mit der man dem lateinischen Originaltext folgen kann; eine interessante Anregung für die Meditaiton, finde ich:

Der Text der Pfingstsequenz

Latein Wörtliche Übersetzung
(von Martin Bachmaier)
Heinrich Bone 1847

Veni, Sancte Spiritus,
Et emitte caelitus
Lucis tuae radium.

Veni, pater pauperum,
Veni, dator munerum,
Veni, lumen cordium.

Consolator optime,
Dulcis hospes animae,
Dulce refrigerium.

In labore requies,
In aestu temperies,
In fletu solacium.

O lux beatissima,
Reple cordis intima
Tuorum fidelium.

Sine tuo numine
Nihil est in homine,
Nihil est innoxium.

Lava quod est sordidum,
Riga quod est aridum,
Sana quod est saucium.

Flecte quod est rigidum,
Fove quod est frigidum,
Rege quod est devium.

Da tuis fidelibus
In te confidentibus
Sacrum septenarium.

Da virtutis meritum,
Da salutis exitum,
Da perenne gaudium.

Amen. (Alleluia.)

Komm, heiliger Geist,
Und sende himmlisch
Deines Lichtes Strahl aus.

Komm, Vater der Armen,
Komm, Geber der Gaben,
Komm, Licht der Herzen.

Bester Tröster,
Süßer Gast der Seele,
Süße Erfrischung.

In der Mühe bist du Ruhe,
In der Hetze Mäßigung,
Im Weinen Trost.

O seligstes Licht,
Erfülle das Herzensinnere
Deiner Gläubigen.

Ohne deinen Wink
Ist nichts im Menschen,
Ist nichts unschuldig.

Wasche, was schmutzig ist,
Bewässere, was trocken ist,
Heile, was verwundet ist.

Beuge, was starr ist,
Wärme, was kalt ist,
Lenke, was vom Weg weg ist.

Gib deinen Gläubigen,
Die auf dich vertrauen,
Die siebenfache heilige Gabe.

Gib der Tugend Verdienst,
Gib des Heiles Ausgang (Erfolg),
Gib beständige Freude.

Amen. (Alleluja!)

Komm, o Geist der Heiligkeit!
Aus des Himmels Herrlichkeit
Sende deines Lichtes Strahl!
 
Vater aller Armen du,
Aller Herzen Licht und Ruh’,
Komm mit deiner Gaben Zahl!
 
Tröster in Verlassenheit,
Labsal voll der Lieblichkeit,
Komm, du süßer Seelenfreund!
 
In Ermüdung schenke Ruh’,
In der Glut hauch Kühlung zu,
Tröste den, der trostlos weint.
 
O du Licht der Seligkeit,
Mach dir unser Herz bereit,
Dring in unsre Seelen ein!
 
Ohne Dein lebendig Wehn
Nichts im Menschen kann bestehn,
Nichts ohn’ Fehl und Makel sein.
 
Wasche, was beflecket ist,
Heile, was verwundet ist,
Tränke, was da dürre steht.
 
Beuge, was verhärtet ist,
Wärme, was erkaltet ist,
Lenke, was da irregeht.
 
Heil'ger Geist, wir bitten dich,
Gib uns allen gnädiglich
Deiner Gaben Siebenzahl.
 
Spende uns der Tugend Lohn,
Lass uns stehn an deinem Thron,
Uns erfreun im Himmelssaal.

Amen. (Alleluja!)

Gebet um den Heiligen Geist für Eheleute

Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.

Der Benediktiner P.Bernhard Sirch aus Achenkirch hat in seiner Predigt diese Verse auf die Ehe bezogen: Er fordert dazu auf, immer wieder zu prüfen, was erstarrt ist: 

"Immer wieder müssen die Eheleute zum Heiligen Geist rufen: Wärme du, was kalt und hart, löse, was in sich erstarrt, lenke, was den Weg verfehlt.

Diese Frage muss sich auch jeder Mensch stellen, der sich ganz Gott hingegeben hat. Wir sollen uns an unsere anfängliche Liebe erinnern, wo unser ganzer Kopf  davon erfüllt war, wie ich dem Geliebten, der Geliebten eine Freude machen kann. Wie viel ist von dieser anfänglichen Liebe geblieben?"

P. Bernhard fordert auf, sich zu erinnern, wie schön und erfüllt die Zeit des Verliebtseins war. Das kann man auf den Ehepartner beziehen, aber auch auf die Begeisterung für Gott und den Glauben: Es geht um die Kraft, die dazu führt(e), dass einem nichts zu viel ist, was aus Freude von innen heraus um des anderen willen geschieht.

Es erinnert mich an Esra, der im  Buch Nehemia (8,10) dem gläubigen Volk sagt: "Macht euch keine Sorgen, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke"

Die Freude am Herrn ist unsere Kraft!

Diese Erfahrung kann man bei jeglichem Engagement machen, das von gutem Geist erfüllt ist, sei es in der partnerschaftlichen Liebe, sei es beim Einsatz für den Glauben: Die Gabe des Heiligen Geistes ist die Liebe. Sie gibt die Kraft, um die in der Pfingstsequenz auch gebetet wird, wenn es heißt:
Wärme du, was kalt und hart, löse, was in sich erstarrt, lenke, was den Weg verfehlt.
Gib dem Volk, das dir vertraut, das auf deine Hilfe baut, deine Gaben zum Geleit.