Barbara Honolds Theologie-Blog

25.08.2009

Das Jesus-Video

Ein amerikanischer College-Student, Stephen Foxx, findet bei archäologischen Grabungen in Israel die Überreste eines Mannes, der vor 2000 Jahren gestorben ist. In einem Leinenbeutel neben dem Skelett liegt eine Bedienungsanleitung für eine Videokamera, die jedoch noch gar nicht existiert. Sie soll erst in drei Jahren auf den Markt kommen. Die Wissenschaftler stellen sich die Frage: War der Tote ein Zeitreisender aus der Zukunft, der ein Video von Jesus drehen wollte? Hat er ihn, sein Leben, gar seine Auferstehung filmen können?

Viele Interessierte und sogar der Geheimdienst des Vatikans werden in dem Buch bemüht; sie jagen dem Video nach. Der Vatikan will die Veröffentlichung er um jeden Preis verhindern, so die Geschichte.

Der Roman will vermutlich in erster Linie unterhalten. Doch beim Lesen frage ich mich: Selbst WENN ein solches Video je gefunden würde - was könnte es beweisen? Ist die Auferstehung Jesu wirklich etwas, das man hätte einfach filmen können?

Andreas Lindemann, Professor für Neues Testament in Wuppertal/Bethel, formuliert es in seinem Buch „Auferstehung: Gedanken zur biblischen Überlieferung“ folgendermaßen:

„Jesu Auferweckung ist nicht ein sensationelles Ereignis, das man hätte filmen oder fotografieren können. Denn gemeint ist nicht, dass der verstorbene Jesus auf wunderbare Weise „wiederbelebt“ wurde, womöglich wie ein noch im letzten Moment geretteter Scheintoter.“

Wenn der Engel den Trauernden sagt: „Er ist nicht hier“, dann bedeutet dies nicht nur, dass er jetzt nicht hier an diesem Ort ist, in diesem Grab. „Gemeint ist vielmehr, dass Jesus überhaupt nicht mehr als irdische Gestalt fassbar ist. Der Platz, wo der Leichnam gelegen hatte, ist endgültig leer.

„Kommt, seht die Stelle, wo er gelegen hat“, sagt der Engel. Diese Worte zeigen uns eines sehr deutlich: Das leere Grab, für sich genommen, würde überhaupt keine Botschaft enthalten. Der Platz, wo Jesu Leichnam gelegen hatte - er bliebe ohne die Worte des Engels wirklich leer, stumm, „nichts sagend“, im wahrsten Sinne des Wortes. Ohne die Botschaft des Engels bliebe das leere Grab einfach nur das, was es eben ist - ein leeres Grab, mehr nicht.

Die Frage ist nun, ob die Trauernden dieser Botschaft trauen werden. Ob sie der in. dieser Botschaft enthaltenen Deutung des leeren Grabes Glauben schenken. Und vor eben dieser Frage stehen die Menschen immer wieder bis heute.

Nochmal zurück zum "Jesus-Video": Da das Buch spannend sein will, kommen Jagd und finstere Persönlichkeiten in großer Zahl vor. Vor allem dem Vatikan werden alle möglichen Machenschaften zugeschrieben, die mir freilich sehr überzogen vorkamen.

Nichtsdestotrotz verstehe ich den Autor des "Jesus-Videos" in einem Punkt gut: Es wäre sicher faszinierend, das Gesicht Jesu, sein Auftreten, seine Augen einmal einfach so sehen zu können. Dieser Wunsch hat über Jahrhunderte hinweg Menschen erfüllt und die Phantasie angeregt: Wie würde er wohl aussehen, was wäre vielleicht besonders beeindruckend an seiner Ausstrahlung? Dass er so aus der Haltung der Liebe heraus gelebt hat, das hat man vielleicht ja doch wirklich sehen und erleben können - wenn man ihm mit der entsprechend wohlwollenden Grundeinstellung gegenübertrat.





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