Barbara Honolds Theologie-Blog



Buchtipps und Rezensionen



Ignatius von Loyola: Geistliche Übungen

Ignatius von Loyola (1491-1556), der Gründer des Jesuitenordens verfasste die "Geistlichen Übungen", erstmals veröffentlicht vor 450 Jahren; hier liegen sie in der Übersetzung nach dem spanischen Urtext vor. Worum geht es?

Wenn man heute von Exerzitien (lateinisch Exercitia spiritualia) spricht, versteht man darunter meist eine Zeit der Besinnung und geistlicher Übungen, die zurückgezogen unter Besinnung auf die Grundlagen des christlichen Lebens und unter Anleitung des Exerzitienpriesters verbracht werden. Als Hilfe für Exerzitienbegleiter hat Ignatius von Loyola sein Buch der "Geistlichen Übungen" gedacht.

Charakteristikum Ignatianischer Spiritualität ist das Bemühen, „Gott in allen Dingen zu finden“. Ziel der Exerzitien ist daher, zu einem Glauben zu kommen, welcher zur Folge hat, dass man "kein geschaffenes Ding auf dem Angesicht der Erde in sich lieben kann, sondern nur im Schöpfer von ihnen allen" (vgl. EB 316). Das bedeutet, sich keiner weltlichen Wirklichkeit so zu verschreiben, dass zum alles bestimmenden Anliegen wird.

Aufbau der Exerzitien:

In der ersten Woche steht der Blick auf das eigene Leben im Vordergrund. Man wird sich der eigenen Realität der Sünde und des Bösen bewusst und staunt über die Barmherzigkeit Gottes, der den Menschen trotz seiner Sünden nicht bestraft. In dieser Zeit dienen innere Bilder, wie wir noch näher sehen werden, wesentlich dazu, im Übenden Gefühle der Reue und Scham, aber auch des Erstaunens, der Erleichterung und der Dankbarkeit zu erwecken.

In der zweiten Woche gilt es, im Prozess einer Unterscheidung zu verstehen, welche Gegebenheiten des eigenen Lebens der Botschaft Jesu Christi entsprechen und welche dieser eher widersprechen. Der Übende wendet sich dem Leben Jesu, dem Wort Gottes zu. Er soll erkennen, was dies konkret für sein Leben bedeutet. Wenn mit den Exerzitien eine Lebensentscheidung verbunden ist, steht diese am Ende der zweiten Woche. In dieser Phase haben innere Bilder auch die Funktion, was den Beter bewegt, bildhaft darzustellen. Es soll die Erkenntnis geweckt werden, welche Anhänglichkeiten bleibend positivere Gefühle auslösen und somit eher dem Ruf Gottes entsprechen könnten.

In der dritten Woche wendet man sich dem Leiden Jesu und in der vierten Woche Jesu Auferstehung zu. Während in der dritten Woche Mit-Leid mit Jesus in dessen Passion im Zentrum steht, werden in der vierten Woche die Erscheinungen des Auferstandenen meditiert. Jesus bleibt den Jüngern nahe und sendet sie.

Ziele der vierten Woche sind daher (auch), sich von der Freude über die Auferstehung erfüllen zu lassen, an Gottes Wirken in allem, was existiert und in allen Lebenssituationen (also auch im Leid) zu glauben, seine guten Gaben als Geschenk zu erfahren und sich wieder auf den Alltag einzustellen.

Wozu die vielen bildlichen Vorstellungen?

Die Aufforderung des Ignatius in den Exerzitien, sich den Inhalt einer biblischen Szene in allen Einzelheiten vorzustellen, dient natürlich nicht primär der Übung der Phantasie, als wolle man einfach Abwesendes präsent machen. Vielmehr soll die Gegenwärtigkeit der Perikope erfassbar werden, d. h. jene Bedeutung, in welcher diese genau hier und jetzt stattfindet und wahr ist. Insgesamt also dient die bildliche Vorstellungskraft in den Exerzitien zum einen der intensiveren Selbsterkenntnis (1. Woche), zum anderen aber vor allem einer Vertiefung der Christusbeziehung (2.-4. Woche).

Dies kann verglichen werden mit einer zwischenmenschlichen Beziehung, die in Zeiten der Abwesenheit nur aufrechterhalten werden kann, wenn der andere innerlich präsent (repräsentiert) bleibt. Wer liebt, trägt ja das innere Bild des geliebten Menschen oft derart in seinem Innern, dass ihm in bestimmten Situationen einfällt, was der geliebte Mensch jetzt sagen würde oder wie er handeln würde. Dabei darf dies kein starres Bild werden, das man sich vom andern macht, sondern es soll dem anderen entsprechen, muss daher wandelbar sein und auf das freie, vielleicht überraschende Handeln des anderen reagieren können.

In gewissem Sinne kann dies auf die Christus-Beziehung übertragen werden (auch wenn Christus nicht im selben Sinn "abwesend" ist wie der Freund im oben genannten Beispiel): Wer Christus in den Exerzitien mit der bildhaften Vorstellungskraft gesehen, ihn begleitet und ihn so näher kennengelernt hat, dem kann auch im Alltag bewusst werden, was Jesus in bestimmten Situationen sagen oder tun würde – und vielleicht sogar, was er „mir“ in ihr gewissermaßen „sagen will“. Dies kann eine Weise sein, wie man "das Bild Jesu im Herzen tragen" oder "das Bild Jesu im eigenen Leben ausprägen" kann.

Quelle(Text): Honold
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